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Ausgabe Text Gründung eines Tauschringphoto

Konzeption und Gründung eines (Zeit-) Tauschringes (Stand 29.11.2016)


  • Definition, was ein Tauschring ist.


    Im Allgemeinen versteht man unter einem Zeit-Tauschring eine Gemeinschaft an Menschen, die ihre Dienstleitungen für die aufgewendete Zeit anbieten. Zudem ist er ein soziales Gefüge, worüber Kontakte zwischen den Mitgliedern aufgebaut und gepflegt werden.
    Statt die angeforderten Leistungen in Euros zu bezahlen, wird dazu diese in Zeit abgerechnet. Damit dieses Verfahren funktioniert, besitzt jeder (Zeit-) Tauschring ein Zeit-Kontensystem, worüber die Zeiten, die ein Tausch gedauert hat, abgerechnet werden.

    Anmerkung:
    Die Ausdrücke "Tauschring" und "Tausche" sind faktisch falsch! Es findet kein Austausch von Dienstleistungen statt (also Dienst gegen Dienst), sondern es findet eine Verrechnung über eine Währungseinheit für eine ausgeführte Leistung statt.
    Im Prinzip ist das, was wir einen Tauschring nennen, ein Zeit basierendes Wirtschaftssystem.
    Ich denke, damit dieser Text nicht zu sperrig wird, bleibe ich trotzdem bei den Ausdrücken "Tauschring" und "tauschen".

  • Wie ein Tauschring genau funktioniert

    • Angebote und Gesuche im Tauschring


      Einer der Kernpunkte eines Tauschringes sind die Angebote und Gesuche der Mitglieder. Diese werden normalerweise als Anzeigen in den Medien eines Tauschringes (Zeitung, Homepage) propagiert. Sucht ein Mitglied einen Dienst, so kann er über die Anzeigen erfahren, wer diesen anbietet. Die Anzeigen sind meistens nach Rubriken sortiert, damit eine Suche besser funktioniert.
      Zusätzlich haben sich noch Mailverteiler für kurzfristige Angebote und Gesuche etabliert und in einigen Tauschringen die klassische Anzeige verdrängt.
      In Zeit-Gut haben wir neben den (Klein-) Anzeigen noch die thematisch sortierten Marktplätze eingerichtet, wo die Angebote und Gesuche detailliert (also mit einen langen Text und mit der Möglichkeit von Fotos) angezeigt werden.

    • Die Zeitung des Tauschringes


      Die meisten Tauschringe verfügen über eine Zeitung, in denen die Anzeigen der Mitglieder, aber auch Themen rund um den Tauschring (Plenumsaufrufe, -Protokolle, Veranstaltungen, Artikel von Mitgliedern) propagiert werden. Zudem sind oft die Kontaktdaten und aktuellen Kontostände der Mitglieder in diesen Zeitungen zu finden.
      Mittlerweile werden die Tauschringseiten sehr selten gedruckt, sondern direkt, als PDF an die Mitglieder verschickt.
      Die Zeitung wird auch gerne als Werbemedium für den Tauschring, für Interessierte, verwende, allerdings nur in anonymisierter Form (also ohne Kontaktdaten der Mitglieder).

    • Verbuchungssystem


      Die Verwaltung der Tausche erfolgt über ein Zeit-Kontensystem. Gängige Praxis ist, die anfallenden Transfer-Zeiten nicht direkt in Minuten zu verrechnen, sondern eine Zeiteinheit zu bestimmen und dieser einen bestimmten Minutenwert zu zuordnen. So hat der Tauschring TauschWatt e.V. z.B. die Einheit "Tiden" mit einem Zeitwert von 10 Minuten pro "Tide".

      Anmerkung:
      Die Benutzung von Zeiteinheiten, also einer Quasi-Währung, ist kein Muss; es kann natürlich auch die Minute eingesetzt werden. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile.
      Der Vorteil an einer benannten und definierten Zeiteinheit ist die Identifikation der Mitglieder mit der Einheit. Die Nachteile sind das dauernde Umrechnen in Stunden/Minuten beim Tausch und eine schlechte Portierbarkeit auf andere Tauschringe.
      Die Minute hat den Vorteil, dass die Mitglieder einen direkten Bezug zu der in Anspruch genommenen/ gegebenen Zeiten haben. Zudem ist die Minute kompatibel zu allen anderen Zeit-Tauschringen, weil sie die kleinste Einheit ist.


      Ein weiterer Gesichtspunkt für den Wert der Zeit-Einheit ist, ob jede Arbeit als gleichwertig angesehen wird (also die Stunde eines Informatikers genauso behandelt wird wie die einer Köchin) oder ob sich die Zeit-Einheit an den gängigen Marktwert orientiert (also der Informatiker weit mehr Zeiteinheiten pro Stunde bekommt, als die Köchin).

      Die Zeit-Konten der Mitglieder haben normalerweise Limits im oberen und unteren Bereich; es kann also nicht unendlich eingenommen oder ausgegeben werden. Dieses hat den Vorteil, dass, wenn es wegen einer Kontenüber/-unterschreitung zu einer Sperrung gekommen ist, das Mitglied gefordert ist, sein Konto wieder auszugleichen, damit wieder getauscht werden kann.
      Zudem dient ein Limit im Ausgabevolumen als Schutz für die Gemeinschaft, denn der Schaden hält sich bei Missbrauch des Tauschringes (also kräftig Dienste in Anspruch nehmen und dann verschwinden) in gewissen Grenzen.

      Mittlerweile haben viele Tauschringe bei Neueintritten ein reduziertes Kontolimit im Minus, welches sich nach bestimmten Kategorien irgendwann erweitert (z.B. nach einigen Monaten, oder wenn eine bestimmte Summe an Zeiten eingenommen wurde).

      Ein Tauschring muss organisiert werden. Es gibt also Mitglieder die diese Arbeiten übernehmen und ihre Zeit für Verbuchung, Anzeigen-Management, Mitgliederbetreuung etc. geben. In vielen Tauschringen ist es üblich ihnen eine Vergütung in Zeiteinheiten zu geben. Für diesen Zweck muss der Tauschring als Organisation Einnahmen in Form von Zeiteinheiten haben.

      Grundsätzlich gibt es dafür zwei unterschiedliche Modelle:

      • Eine monatliche Abgabe der Mitglieder an die Gemeinschaft.

      • Eine Abgabe der Mitglieder pro Tausch, entweder als Festbetrag, Staffelbetrag oder prozentual vom Tauschwert.


      Beide Systeme haben natürlich Vor- und Nachteile. Der Vorteil der monatlichen Abgabe ist, dass die Einnahmen sicher sind und gut kalkulierbar. Der Nachteil ist, dass die Mitgliederkonten sich monatlich reduzieren und Mitglieder die wenige oder keine Einnahmen haben irgendwann ihre Kontolimits erreichen und ggf. für Ausgaben gesperrt werden. Es wird also auch ein "Tausch-Zwang" für Mitglieder aufgebaut.
      Der Vorteil an einer Abgabe pro Tausch ist, dass Konten, die sich im Minus befinden nur dann weiter reduziert werden, wenn getauscht wird. Der Nachteil ist, dass Tausche stattfinden müssen, damit Einnahmen für die Gemeinschaft generiert werden. Der Tauschring muss also dafür sorgen, dass auch getauscht wird.

    • Demokratische Strukturen


      Ab und an müssen in Tauschringen Entscheidungen getroffen oder Satzungspunkte geändert werden. Dafür muss es ein demokratisches Entscheidungsforum geben; also ein Plenum welches für alle Mitglieder offen ist.
      Es gibt natürlich auch "Diktaturen" in der Tauschringszene, wo einige wenige, auch ohne Plenumsbeschlüsse, über die Mehrheit regiert. Diese Tauschringe haben allerdings keine Überlebenschange, da es im Endeffekt nur Unmut bei den Mitgliedern gibt.


      Für Plenen gibt es grundsätzlich zwei Abstimmungsarten:

      Das Mehrheitsprinzip: also ein Punkt ist dann Usus, wenn die Mehrheit "Ja" sagt. Der Nachteil ist, dass es auf der Gegenseite Unmut erzeugt, wenn kein Kompromiss gesucht wird.

      Das Konsensprinzip: der Punkt ist dann abgestimmt, wenn entweder alle zustimmen oder ein Kompromiss gefunden wird.
      Das Konsensprinzip hat allerdings den Nachteil, dass es durch böswillige Mitglieder blockiert werden kann, indem diese "Nein" sagen und zu einem Kompromiss nicht bereit sind (leidige eigene Erfahrung).


  • Konzeption des eigenen Tauschringes


    Will man einen Tauschring Gründen, ist es unerlässlich, Gleichgesinnte zu finden. Hilfreich ist es, Planungstreffen (möglichst im öffentlichen Raum, wie Bürgerhäuser, Kneipen etc.) zu organisieren und diese in Zeitungen zu propagieren.

    Auf den Treffen sollte man folgende Fragen klären:
    • Wie soll der neue Tauschring heißen

    • Soll der Tauschring ein e.V. oder eine Initiative (GbR) sein

    • Wie ist der Name und der Wert der Verrechnungseinheit

    • Ist jede Dienstleistung als gleichwertig anzusehen oder richtet sie sich nach dem Marktwert

    • Sind die Mitgliederkonten im positiven und negativen Bereich limitiert

    • Gibt es eine Neumitglieder-Regelung für die Konten

    • Fällt eine monatliche Gebühr oder eine Gebühr pro Tausch in der Zeiteinheit an und wenn ja, wie hoch fällt diese aus

    • Gibt es einen Jahresbeitrag in Euro

    Sind diese Grundfragen geklärt, wird die Satzung erarbeitet. Am effektivsten ist es, wenn ein/zwei Personen einen Grundendwurf erarbeiten und diese Punkte dann bei der Gründung diskutiert und abgestimmt werden.

    Folgende Punkte sollten auf jedem Fall aufgeführt sein:
    • "Der Tauschring dient nur als Verwalter und Vermittler für den Austausch von Angeboten und Gesuchen zwischen den Mitgliedern. Für den Inhalt, die Abwicklung, die Haftung und andere Belange sind die Mitglieder verantwortlich."

    • "Eine Umrechnung von erbrachten Zeiten in Euros und umgekehrt ist weder gewünscht, noch möglich."

    • "Jeder Tausch zwischen den Mitgliedern ist freiwillig und kann auch abgelehnt werden."

    • "Der Tauschring ist kein rechtsfreier Raum, wir halten uns an die geltende Gesetzgebung."

    • "Der Tauschring ist kein Forum für religiöses, weltanschauliches oder politisches Gedankengut und bietet somit auch für die Verbreitung solcher Themen mit den Medienorganen unserer Organisation keine Plattform."

    • "Ist ein Punkt nicht in der Satzung/ in den Teilnahmebedingungen aufgeführt, muss dieser formuliert und über das Plenum entschieden werden"

    • Die Erklärung zum Datenschutz (wichtig bei der Nutzung von Internet/Webseiten)

    • Festlegung der Richtlinien zum unfreiwilligen Austritt eines Mitgliedes bei Straftaten und Verstöße gegen die Satzung


  • Die technische Umsetzung


    Nachdem geklärt ist, wie der neue Tauschring aussehen soll, ist es ratsam für die technische Umsetzung zu sorgen, bevor es an die Gründung geht.

    Zunächst einmal müssen die verschiedenen Aufgaben an kompetente Mitglieder verteilt werden, wie die Entwicklung des Designs (Logo des Tauschringes, Farbthemen etc.), der nötigen Formulare (Zeit-Schecks, Anzeigen- und Eintrittsformulare), des Werbeflyers, der EDV und und und.



    Internet

    Wurde ein Design entwickelt und mit allen Gründern abgestimmt, sollte als nächstes eine Domain mit möglichst passenden Namen geordert und angefangen werden die Webseite zu programmieren.
    Kleiner Tipp: Wenn die Domain geordert wurde, gleich eine "Bau-Seite" einrichten, wo in den sog. Meta-Tags die genaue Beschreibung des Tauschringes und die Suchwörter gespeichert sind, damit die neue Seite besser über Suchmaschinen gefunden wird.

    Mail
    Nebenbei sollten auch gleich die wichtigsten Mailadressen über die Domain eingerichtet werden (z.B. haben wir über unsere Domain zeit-gut.de die Mailadressen info@zeit-gut.de, verteiler@zeit-gut.de usw.), damit alles etwas professioneller wirkt. Es ist auch ratsam, "Briefpapier" mit dem Design und Logo des Tauschringes zu entwickeln;bitte in der Signatur die Kontaktdaten eintragen...

    Webseite
    Die Homepage ist mittlerweile das wichtigste Organ einer jeden Organisation, auch die des Tauschringes.
    Sie sollte, meiner Meinung nach, genau sagen, was ein Tauschring ist, wie der eigene Tauschring arbeitet und was angeboten wird. Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem kann geübt werden, aber sollte nicht im Vordergrund stehen, das es den Leser mehr abschreckt.
    Kleiner Tipp: Je mehr Links auf die eigene Webseite verweisen, desto höher ist sie in den Listen der Suchmaschinen angeordnet; also mit befreundeten Organisation für eine Verlinkung sorgen.

    Verbuchung
    Natürlich benötigt der neue Tauschring ein Verwaltungs-/Verbuchungssystem. Ob dieses komplett oder partiell in die Homepage integriert wird, müssen die Gründer selbst entscheiden. Allerdings haben persönliche Daten der Mitglieder (Kompletter Name, Anschrift, Telefonnummern, Mailadressen) nichts auf einer Webseite zu suchen, da diese jederzeit kompromittiert werden kann und so sensible Daten in falsche Hände gelangen könnten. Mitgliederdaten bitte nur auf einen gesicherten lokalen Computer speichern!!!
    Es gibt natürlich einige Geisteskranke, die behaupten, deren Programme und Server sind sicher. Wie uns die reale EDV ja immer wieder beweist, ist das kompletter Unsinn und meiner Meinung nach sollten diese Schnacker lieber den Beruf oder das Hobby wechseln.

    Das Angebot an Tauschringsoftware ist mehr als übersichtlich und die Programme können (jedenfalls mich) nicht überzeugen. Falls ihr Software sucht, dann schaut doch auch einmal in mein Ebisu-Projekt unter http://zeit-gut.de/ebisu/ rein...

    Bestimmte Daten (Buchungsdaten, Telegramme, Passwörter..) sollten in den Datenbanken der Homepage nur gecrypted (ich schlage eine synchrone Kodierung) gespeichert werden, um die Privatsphäre der Mitglieder sicherzustellen (Siehe auch Telemedien Gesetze).


(Demnächst mehr...)
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